Antimalariamittel sind bei regelmäßiger augenärztlicher Kontrolle nicht abzusetzen, solange sich nichts an den Augen zeigt

Derzeit wird vor allem in Essen in sehr emotionalen Diskussionen über das Gefahrenpotential von Anti-Malaria-Mitteln diskutiert. Diskutiert wird ein dramatischer Einzelfall einer Netzhautschädigung (Retinopathie) auf Hydroxychloroquin, von dem wir bisher nichts konkretes wissen, und der zumindest sehr ungewöhnlich wäre. Keiner von uns hat in den letzten zehn Jahren auch nur einen Fall einer Sehbehinderung nach Hydroxychloroquin erlebt.

Leider ist es aber so, dass kein einziges wirksames Arzneimittel völlig ungefährlich ist. Bei Anti-Malaria-Mitteln ist die kritische Nebenwirkung eine Schädigung der Netzhaut. Da die Netzhaut zentrales Nervengewebe darstellt, heilen Schäden leider nicht. Besonders wenn die Retinopathie spät erkannt wird, kann das bis zur Erblindung führen. Dieses Risiko ist unter Hydroxychychloroquin (Plaquenil, Quensyl) geringer als unter Chloroquin. Die amerikanischen Empfehlungen gehen für die ersten 5 Jahre Hydroxychloroquin-Therapie von einem so niedrigen Risiko aus, dass sie keine augenärztlichen Kontrolluntersuchungen für sinnvoll halten. Danach werden jährliche Kontrollen empfohlen.

Dem Restrisiko einer Netzhautschädigung stehen wesentliche positive Effekte von Hydroxychloroquin gegenüber. Dieses Medikament verhindert SLE-Schübe, verhindert Thrombosen und verbessert erheblich die Chance, trotz Lupus alt zu werden. Hydroxychloroquin hilft auch, Cortisonpräparate einzusparen, und verringert damit das Risiko für Infektionen, Schlaganfälle und andere lebensbedrohliche Komplikationen. Daher kann aus unserer Sicht heute nicht auf Hydroxychloroquin verzichtet werden, ohne SLE–Patientinnen und Patienten zu gefährden.

Die augenärztlichen Kontrolluntersuchungen sollten aber ernst genommen werden, weil jeder einzelne Fall einer Erblindung dramatisch wäre. Nach dem letzten Stand augenärztlicher Empfehlungen gehören dazu eine Gesichtsfelduntersuchung und eine OCT (optische Kohärenztomographie). Die Datenlage spricht dafür, dass damit Veränderungen in aller Regel zu erkennen sind, bevor sie das Sehvermögen einschränken.

Berichte über dramatische Einzelfälle führen uns immer wieder vor Augen, dass unser Leben nie völlig sicher ist. Trotz aller Berichte über Autounfälle nehmen aber die meisten von uns weiter am Straßenverkehr teil. Genauso sollten wir die nach heutigem Stand sicherste lebensrettende Standardtherapie des Lupus ganz sicher nicht über Bord werfen“

Prof. Dr. Martin Aringer